
"Man muss selbst stark fühlen, um andere stark fühlen zu lassen."
Niccolò Paganini
Es gibt kein besseres Motto, dem man sich als Schriftsteller verpflichtet fühlen sollte. Denn, ehe man auch nur den ersten Buchstaben aufs Papier bringt, sollte man sich darüber ganz im Klaren sein, weshalb man eigentlich schreiben will.
Also stellt man sich anfangs besser die Frage: "Wieso lesen so viele Menschen eigentlich? Freiwillig sogar, und mit Begeisterung!"
Aber - warum sollte auch nur irgendjemand auf der Welt ein Interesse daran haben, sich frei erfundenen Dialogen zu widmen, und weshalb sollte jemand Zeit darauf investieren, um den Lebensweg irgendwelcher Menschen zu verfolgen, die nie gelebt haben? Warum Ereignissen Aufmerksamkeit schenken, die niemals stattgefunden haben?
Die Antwort ist schlicht und ergreifend: Weil wir Unterhaltung lieben. Kurzweil. Boulevard. Klatsch und Tratsch. Ablenkung vom Grau-in-Grau des Alltags. Wir wollen "das Andere". - Wenn es schneit, wünschen wir uns Sonnenschein. Wenn die Sonne scheint, wollen wir am liebsten Schlittenfahren.
Wir wollen die abgeschirmten und geheimen Orte sehen, die Forschungslaboratorien und abgesperrten Militäreinrichtungen. Die Airforce One, den Vatikan und die Schaltstellen der Macht. Wir wollen den Königspalast, das Gangsterversteck, Hollywood, Diamantminen, Spielcasinos und Edel-Bordelle. All das, wo kein Normalsterblicher jemals hinkommen wird.
Den Prunk der Glitzerwelt der Reichen und Schönen, mit ihren königlichen Hochzeiten, Yachten und Weltreisen. Die faszinierende Abenteuerwelt der Entdecker, Erfinder und Archäologen. Die Elendswelt der Ärmsten der Armen. Wir wollen teilhaben am Luxus exotischer Hotelsuiten und festlicher Empfänge in Palästen; ebenso wie wir das Elend der Slums, Krankenhäuser und Ghettos sehen wollen.
Wir verachten das langweilige Mittelmaß und den Durchschnitt, der uns am laufenden Meter begegnet. Wir wollen etwas Anderes sehen und erleben; uns in eine bessere Welt flüchten. In eine Welt, in der Menschen die Größe ihres angeborenen Potentials auch voll ausleben können. Eine Welt, in der es keine Einschränkungen gibt. Eine Welt, in der die Bösen wirklich richtig böse sind - und die Guten wirklich gut in dem, was sie tun. Kein alltägliches Wischiwaschi-lauwarmes "ein bisschen von allem". Ganz oder gar nicht!
Vor allen Dingen sehnen wir uns nach einer Welt, in der Gefühle nicht unterdrückt, sondern bis zur Neige ausgelebt werden. Denn es gibt wohl kaum etwas, was uns dermaßen beflügelt und zugleich auch ängstigt.
Wir wollen aus dem zombiehaften Dasein des "Sicherheitsdenkens" und "Funktionierens" ausbrechen, wollen das pure Leben, die nackte Gefahr, die Leidenschaft und Aggression auf dem Hochseil. Das Weiße im Auge des Tigers.
Kennen Sie "DARK TRACE: Das Imperium des Blutes"? Dann haben Sie eine konkrete Vorstellung davon, was ich meine. Cor Liewens muss verdammt viel einstecken, um während des Berlin-Marathons die Schurken in allerletzter Sekunde noch davon abzuhalten eine "schmutzige Bombe" am Brandenburger Tor zu zünden...
In unserem tagtäglichen Einerlei aus Job, Einkäufe und Haushalt erledigen, Bank- und Versicherungstermine wahrnehmen, Rechnungen bezahlen, Hund Gassi führen und uns von TV-Shows berieseln lassen, werden wir nur selten mit einer Herausforderung konfrontiert, die uns dermaßen elektrisiert.
Wissen Sie, wie es sich anfühlt, wenn man von allen Hunden gehetzt wird, während einem die Zeit davonläuft und Millionen argloser Menschen dem sicheren Untergang entgegen gehen, falls Sie es nicht rechtzeitig schaffen, das Verhängnis noch abzuwenden? Duncan Clairebourne in "Die Legenden des Abendsterns" weiß es, glauben Sie mir...
Was würden Sie tun, wenn Sie einer bestialischen Mordserie auf die Schliche kämen und Ihr bester Freund Ihnen gegenüber andeutet, er selbst sei der gesuchte Killer? Dr. Ferrier in "Lilienblut" muss eine schicksalsschwere Entscheidung treffen...
Und ich gehe jede Wette mit Ihnen ein, dass Sie noch nie im afrikanischen Dschungel um Ihr Überleben kämpfen mussten, während eine Mafia-Geheimorganisation alles daran setzt, Sie ein für alle Mal ins Jenseits zu schicken. Sante della Vigna in "Die Madonna von Fátima" muss all seine körperlichen und geistigen Fähigkeiten einsetzen, um zu überleben...
Spannende Geschichten sind meiner Auffassung nach die einzig erzählens-, lesens- und hörenswerten. Und gerade deshalb lege ich in meinen Storys so großen Wert darauf. Es ist mein einziges Ziel, Menschen in spannenden Extremsituationen zu schildern.
Die Helden meiner Geschichten sind keine "Marvel-Übermenschen" aus Plastik. Es sind ganz normale Menschen, die aber das, was sie können, besonders gut können. Und es wird ihnen jedes Mal aufs Neue das Maximum abverlangt - gleich, ob sie vertrackte Geheimcodes knacken, dämonische Mächte überwinden oder Atombomben entschärfen müssen.
Keine Sorge, ich weiß, was ich meinen Lesern schuldig bin und worauf sie stehen: Atemlose Spannung und Action, knisternde Erotik, sarkastischen Humor, düstere und exotische Settings - und Altbekanntes, das aus einem völlig neuen Blickwinkel geschildert wird. Und am Ende einer Story natürlich unvorhergesehene und dramatische Wendungen, die den Puls in die Höhe und den Schweiß auf die Stirn treiben.
Ich weiß, wie sich meine Leser dann fühlen - denn ich war schon vor ihnen an diesem Ort, an dem die Bombe tickt, an der die teuflische Falle plötzlich zuschnappt und der Gegner seine hässliche Fratze zeigt. Ich habe die Anspannung, Erregung und den Schrecken vor ihnen gespürt, ich habe die Begeisterung und den Triumph vor ihnen gefühlt.
Und wenn ich es stark genug gefühlt habe, dann werden auch sie es fühlen können. Wenigstens für ein paar Stunden, die sie aus der Tretmühle des Alltagstrotts herausgerissen werden.
Das ist nicht nur ein verdammt guter Grund, um zu schreiben. Es ist der einzige, der überhaupt zählt.
Ascan von Bargen